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Bei den Chamäleon handelt es sich um eine sehr alte Echsengruppe, deren Verbreitungsgebiet sich heute vorwiegend auf ganz Afrika und dicht benachbarte Inseln (Madagaskar, Seychellen, Sansibar, Mauritius u.a. ) erstreckt. Einzelne Arten sind auch auf verschiedenen Mittelmeerinseln (Kreta, Sizilien, Malta) oder im nahen Osten zu finden. Bis heute wurden ca. 2800 Chamäleonarten beschrieben.
Aufgrund ihres ausserordentlich weiten geografischen Verbreitungsgebietes bewohnen die einzelnen Chamäleon-Arten ganz unterschiedliche Biotope mit jeweils stark verschiedenen klimatischen Verhältnissen. Dies erforderte von den Tieren einen hohen Grad an Anpassung nicht nur an die jeweiligen Umgebungstemperaturen ihres Refugiums, sondern auch Lebensart und Ernährung mussten so entwickelt werden, dass ein langfristiges Ueberleben garantiert war. Chamäleon trifft man sowohl in Gras- oder Buschsavannen des Tieflandes als auch in mittleren und höheren Gebirgen an. Sie haben ihren Lebensraum nicht nur im Unterwuchs von Regen- oder Trockenwäldern, sondern ebenso hoch oben in den Baumkronen des Nebelwaldes oder gar in Wüstengebieten.
Vom Körperbau und von der speziellen Entwicklung ihrer "Greif- Füsse" her sind die Chamäleon am besten adaptiert auf ein Leben auf Bäumen, Sträuchern oder hohem festem Gras. Während sie im Geäst geschickte Kletterer sind, bewegen sie sich auf dem Boden recht unbeholfen.
Der Bauplan des Skelettes der Chamäleon entspricht im wesentlichen denen der anderen Echsen, im Querschnitt hat der Körper die Form einer Spindel. Mit Hilfe von Luftsäcken und bestimmten Muskelgruppen können die Tiere ihre Gestalt sehr stark verändern und nutzen diese Verwandlungstechnik entweder zur Oberflächenvergrösserung für die Aufnahme von Sonnenstrahlen, zur Mimikrie, damit der Körper einem Blatt oder einem kleinen Ast ähnlich sieht, oder als Ausdrucksmittel für optische Signale und Kommunikation.
Die Kopf- Form des Chamäleons ähnelt einer Pyramide. Manche Arten tragen vorne am Kopf hornähnliche Gebilde, andere zeigen schuppenbesetzte Hautlappen oder in Reihen sitzende Zapfen im Kehlgangsbereich. Typisch bei vielen Arten ist die helmartige Struktur des Kopfes im Bereich hinter der Augenpartie. Der Schwanz dient dem Chamäleon als wichtiges Greiforgan. Es kann aber im Gegensatz zu vielen anderen Echsen nicht ersetzt oder regeneriert werden, wenn durch äussere Gewalteinwirkung ein Teil verloren gegangen ist.
Ein wesentliches Kennzeichen der Chamäleon ist ihre extrem lange und in Sekundenschnelle herausfahrbare Zunge, mit der die Tiere ihre Beute regelrecht "schiessen".
Der Vorgang des Beutefangs mittels der Zunge ist ein recht komplizierter und in verschiedenen Phasen ablaufender Prozess:
Phase
- Erkennen der Beute mit den Augen ("Adspektion")
- Anvisieren der Beute und Entfernung zum Objekt optimieren ("Lokalisation")
- Vorbereitung der Zunge und Spannen des Zungenbein- Apparats ( "Protrusion")
- Herausschleudern der Zunge / " Schiessen der Beute " ("Projektion")
- Zurückziehen der Zunge mit der gefangenen Beute. ("Retraktion")
- Abtöten / Zerbeissen der Beute und Abschlucken (" Konsumation")
Sehr nahe gelegenes Futter oder direkt vor ihnen sitzende Beutetiere können die Chamäleon aber auch wie andere Echsen direkt mit den Kiefern erfassen und auffressen.
Das Nahrungsspektrum der Chamäleon ist ausserordentlich breit und vielseitig. Sie leben vorwiegend von Insekten und Spinnen, von kleinen Schnecken oder Jungtieren anderer Echsen oder aber auch von Jungtieren kleiner Säuger oder Vögel. Einige Chamäleonarten jagen sogar kleine Schlangen, andere wiederum nehmen zusätzlich Pflanzenkost wie weiche Früchte, verschiedene Pflanzenblätter oder Blüten zu sich. Um ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken, lecken sie Tau- oder Regentropfen von den Blättern.
Chamäleon sind aber nicht nur Jäger, sondern können ebenso selbst zur Beute von Greifvögeln, Affen oder Grossschlangen (Mambas) werden. Um sich vor ihren Feinden zu schützen, haben die Chamäleon verschiedene Abwehr- und Verteidigungsstrategien entwickelt:
- Drohgebaren in Form von wackelnden Bewegungen. Öffnen des Mauls und Laut-
Äusserungen
- Absonderung eines stinkenden Sekrets aus Drüsen in den Mundwinkeln
- Der Totstell- Reflex
- Das typische Wegdrehen auf die andere Seite des Asts, um für den Feind unsichtbar zu sein
- Annahme einer Tarnfarbe
- Blitzartige herunter fallen lassen auf den Erdboden
Chamäleon sind tagaktive Echsen mit einem hochentwickelten Sehvermögen, das von keinem anderen Tier erreicht wird. Die Augen können derart unabhängig voneinander bewegt werden, dass die Tiere eine fast hundertprozentige Kontrolle über ihre Umgebung haben, ohne den Kopf dazu mitbewegen zu müssen. Die übrigen Sinne (Geruch, Geschmack, Gehör) sind deutlich weniger gut ausgeprägt.
Ein anderes typisches Phänomen der Chamäleon ist ihre Fähigkeit, ihre Hautfarbe innerhalb kürzester Zeit zu verändern. Dies ist möglich durch das Vorhandensein von drei spezialisierten Typen von Hautzellen, die über komplexe und komplizierte, neurohormonale Mechanismen gesteuert werden. Chamäleon können jedoch nicht jede beliebige Farbe annehmen, sondern jeder Art steht nur ein ganz spezifisches Farbmuster bzw eine begrenzte Farbpalette zur Verfügung. Welche Farbe das Chamäleon annimmt, wird z.T. von äusseren Faktoren (Umgebungstemperatur, Tages- oder Jahreszeit u.a.) oder auch von inneren Faktoren (Gesundheitszustand, Trächtigkeit u.a.) bestimmt. Die Farben können aber ebenso nur zur Tarnung dienen oder Teil der innerartlichen Kommunikation sein.
Chamäleon besitzen ein sehr hohes Vermehrungspotential, so dass sie auch höhere Verluste in relativ kurzer Zeit ausgleichen können. Lediglich dort, wo der Mensch nachhaltig in die Natur und in die Lebensräume der Chamäleon eingreift, kann das Gleichgewicht von den Tieren nicht mehr gehalten werden. Chamäleon sind fast ausschliesslich ovipar, nur wenige Arten sind ovovivipar. Der Sexualdimorphismus ist bei den adulten Tieren deutlich erkennbar. Sie leben meist als Einzelgänger in abgesteckten Territorien, bei manchen Arten findet man auch Paarbildung oder das Zusammenleben in kleinen Gruppen.
Chamäleon gehören nicht zu den langlebigen Reptilien, sondern werden meist nicht älter als 3-5 Jahre. Die Geschlechtsreife wird ungefähr im Alter von 6-12 Monaten erreicht. Zahlreiche Arten unterbrechen ihren Lebensrhythmus durch Ruheperioden, entweder in Form eines Winterschlafs oder durch eine Ruhephase im Sommer. Diese Ruhephasen fallen stets in jene Zeit, in der die Klimaverhältnisse im jeweiligen Verbreitungsgebiet der entsprechenden Chamäleonart am ungünstigsten sind.
Die Privathaltung von Chamäleon stellt eine echte Herausforderung dar. Sie sind für einen Anfänger als Terrarientiere absolut ungeeignet. Die Terrarien für Chamäleon müssen derart gestaltet werden, dass sie in allen entscheidenden Punkten (Grösse, Mikroklima, Beleuchtung, Luftfeuchtigkeit, Pflanzen etc.) weitgehend den natürlichen Verhältnissen der jeweiligen Art entsprechen. Chamäleon sind sehr stressanfällige Tiere und benötigen unbedingt Terrarien, in denen sie sich sicher und wohlfühlen. Um ein Terrarium den Bedürfnissen der Chamäleon adäquat auszustatten, ist eine nicht unerhebliche "Grundausrüstung" nötig. Der Kauf eines Chamäleon und die Ausstattung und Ausrüstung für ein passendes Terrarium sind also mit entsprechenden Kosten verbunden.

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